Pressestimmen

WAZ vom 12.12.05: Von lyrischer Poesie bis zur bissigen Satire

Barbara Kleyboldt und Gerhard Giel begeistern
Publikum beim Chanson-Abend mit Glanzleistung
 
Von Christoph Schlierkamp

In der Maschinenhalle des Alten Schiffs-hebewerks begeisterte zum wiederholten Male ein auch außerhalb Waltrops zum Insidertipp gewordener Chansonabend das Publikum: Sängerin Barbara Kleyboldt vom Roto Theater Dortmund gestaltete zusammen mit dem Akkordeonisten Gerhard Giel in historischer Kulisse ein außergewöhnliches Konzert.
Das französische Chanson des vergangenen Jahrhunderts ist ein textliches Schwergewicht. Von lyrischer Poesie bis zur bissigen gesellschaftspolitischen Satire findet sich all dieses, von demselben Sujet zusammengehalten: "Parlez - moi d'amour". In Worte und Musik verbinden sich Emotion und Philosophie; bis in die Tiefen menschlichen und gesellschaftlichen Seins heißt es dann: "Cherchez l'amour". Und atmosphärisch reizvoll setzte sich Kleyboldt und Giel diese Suche hingebungsvoll um.
Beide Musiker beweisen, dass Musik - mit oder ohne Text - an die Sinne rührt, in der Darstellung lebendig wird und nichts an Aktualitäten verliert. Immer wieder neu fühlte sich Kleyboldt in Wort und Melodie durch Mimik, Gestik, Timbre und Dynamik ein. Ihr ausdrucksstarker Vortrag war geprägt durch Sinnlichkeit, sie verströmte den Geist einer Zeit, deren Motto "cherchez un peu d´une rêve" klangvoll  miterlebt werden konnte. Sicherlich hilfreich für das Verständnis war der literarische Vortrag der Übersetzungen vieler Chansons.    Wie "les feuilles mortes" ließ Gerhard Giel in seiner tiefgehenden Begleitung die Töne rieseln, durch den kalten Wind über die Wege fegen, aufwehen. Sein Vortrag, der dem Text den musikalischen Hintergrund verlieh, war herausragend. Sein Spiel übernahm die in dem musikalischen Satz verborgene Stimmung mit ebensolcher Leichtwertigkeit, wie diese doch selbst war: denn es ging doch um die Leichtigkeit des Seins. Er schuf eine Atmosphäre des Wohlgehens. Sein Spiel verlieh auch den noch so melancholisch getrübten Texten eine belebende Heiterkeit.
Der Pulsschlag, so wie ihn Giel den Stücken mitgab, war der subtile Träger der emotionalen Botschaften. Sein Vortrag - auch der Solostücke (Indifférence, Tico Tico u.a.) griffen mit interessanten Registerwechseln, einer expressiven Dynamik, immer wieder neu das Motto des Abends auf: Parlez - moi d'amour.
Mit lang anhaltendem Applaus honorierten die Zuhörer den gelungenen Abend. Zwei Zugaben rundeten ihn ab.



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