Pressestimmen

Kölner Stadtanzeiger vom 24.01.07: Unwiderstehlich

Von Ulla Jonen

Berlin der 20er Jahre: Wildes ausschweifendes Leben auf der einen, Armut auf der anderen Seite. Und mittendrin Friedrich Hollaender. Er komponierte und textete, er machte Kabarett und Theater, und riskierte dabei immer wieder einen Blick auf die Stadt und ihre Menschen.
Am Dienstag lebte dieses Berlin im Schloss Morsbroich auf. Das Roto Theater aus Dortmund war zu Gast und widmete dem Allroundtalent Hollaender eine musikalische Revue. Barbara Kleyboldt sang seine Lieder, Gerhard Giel begleitete am Akkordeon. Sie sang seine Lieder - das ist untertrieben. Barbara Kleyboldt lebte sie, war mal Vamp, mal naives Mädchen. mal ausgelassene, freche Berliner Göre. Da tanzt ein ganz leichtes Mädchen namens "Fesche Lola" im Spiegelsaal.
Wären Männer der 20er Jahre unter den Besuchern gewesen, sie hätten der Kleyboldt zu Füßen gelegen, so ganz und gar unwiderstehlich war sie. Zwischendurch rezitierte Barbara Kleyboldt Anekdoten von Friedrich Hollaender: wie er in den Babelsberger Filmstudios im Verträge kämpfte, wie er zusammen mit Tucholsky, Ringelnatz und Klaus Mann über die Gründung eines Theater diskutierte, wie er als kleiner Junge das Klavier-Ungeheuer mit seinen schwarzen und weißen Zähnen entdeckte, das alsbald zähmbare Geliebte wurde. Demgegenüber zerstörte das braune Ungeheuer seine Welt. Hollaender war jüdischer Abstammung und zeigte Deutschland schließlich den Rücken. In den Vereinigten Staaten konnte der "große kleine Friedrich", wie ihn Charly Chaplin wegen seiner kleinen Statur nannte, nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen. Auch als er Mitte der 50er Jahre nach Deutschland zurückkam, war's ruhig um den Ende des 19. Jahrhunderts in London geborenen Hollaender. Dank der städtischen Kulturabteilung und der Bücherei Gottschalk, konnten die Leverkusener eintauchen in die verzweifelte und überschwängliche Welt des einstigen Berliners. Schön war, dass das Roto Theater (Regie: Rüdiger Trappmann) auch die Lieder inszenierte, die Hollaender für seine Frau Blandine Ebinger geschrieben hat.
Die rund 130 Besucher dankten dem Duo für die humorvolle und ironische Revue mit viel Applaus.



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